Das Kinderfänger-ABC

Die Zusammenfassung vom Schulmaterial für Zuhause.

Dieser Band umfasst alle Fragestellungen des Schulmaterials in angepasster Form.

  • Die Gefahrenkobolde
  • Nicolas‘ Murmelspiel
  • Was ist ein Kinderfänger
  • Kinderdieb oder Kinderräuber
  • Womit locken Kinderfänger
  • Der nette Nachbar
  • Die Kinderfalle
  • Ich entscheide über Berührungen
  • Wo und wie hole ich Hilfe
  • Das bunte und das schwarze Geheimnis

Die Gefahrenkobolde

Der Einstieg in die mögliche Gefahr

Mit den Gefahrenkobolden werden die Kinder vorsichtig an verschiedene Gefahrenquellen herangeführt. Die Kinder bearbeiten verschiedene Situationen und Fragestellungen mit Hilfe von thematischen Arbeitsblättern und dem Ausdruck des freien Malens.
Die Auswahl der Gefahren ist nicht umfassend und dient im Programm der Frühförderung Gewaltprävention als thematischer Einstieg in die Problematik des Kinderfängers.

So wie die Kinder auf individuelle Art und Weise Gefahren wahrnehmen (können), so haben auch die Eltern jeweils einen individuellen Umgang mit Gefahrenquellen. Manche Eltern nehmen Gefahren nicht wahr, weil sie diese ebenfalls nicht erkennen können, oder weil sie dies nicht wollen. Andere Eltern haben ein ausgeprägtes Verlangen nach Sicherheit und ein differenziertes Bild möglicher Gefahren.

Die Aufgabenstellungen

Die Materialsammlung der Gefahrenkobolde dient lediglich dem kindgerechten Einstieg in das Thema möglicher Gefahrenquellen und entsprechender Verhaltensregeln.
Im Umgang damit bemüht sich das LehrKraftWerk, die elterliche und kindliche Individualität zu respektieren. Auch ist es in diesem Rahmen nicht möglich, konkrete Verhaltensregeln für jede mögliche Gefahr zu liefern. Hierzu stehen jedoch andere, spezifische Materialsammlungen zur Verfügung und vor allem das konstante, vorbildhafte Verhalten der Eltern.
Die dem Kind vorgeschlagenen Aufgabenstellungen dienen in diesem Sinne als Gesprächsgrundlage für vorgeschlagene Situationen und sollten um weitere, zur Lebensumwelt des Kindes gehörende Situationen und Fragestellungen erweitert werden.

Die angebotene Hausaufgabe soll die Eltern unterstützen, das Gefahrenthema gezielt und praxisnah mit dem Kind zu Hause anzusprechen und eine pragmatische Möglichkeit der Fragestellung anzubieten. Entsprechende weitere konkrete Themen können auf dieser Grundlage gemeinsam erarbeitet werden.


Nicolas‘ Murmelspiel

Die Geschichte von Nicolas‘ Murmelspiel soll die Eltern in der Hinführung zur Regel „Ich vertraue meinem Gefühl“ unterstützen.
Die Regel „Ich frage immer meine Eltern“ wird erst zu einem späteren Zeitpunkt, in dem das soziale Nahfeld bearbeitet wird, behandelt.

Hier geht es vorrangig um die Thematisierung der eigenen Gefühle in Bezug auf die kindliche Verlockung und den Umgang mit dieser.


Was ist ein Kinderfänger

„Kinderfänger wollen Kinder fangen und deshalb heißen sie Kinderfänger.“

Kinderfänger spielen aber kein Fangen und sie wollen nicht mit den Kinder spielen.

Kinderfänger wollen schlimme Sachen von den Kindern und sie tun den Kindern manchmal auch weh.

Manchmal auch gar nicht, sondern sie sind immer irgendwie „lieb„.

Kinderfänger wollen nicht auffallen, denn sie haben Angst davor, entdeckt zu werden. Kinderfänger wissen, dass sie keine Kinder stehlen dürfen und dass sie Kindern nicht wehtun dürfen. Dafür werden sie ganz streng von der Polizei bestraft, wenn sie entdeckt werden.

Kinderfänger haben Angst vor anderen Erwachsenen und der Polizei.
Deswegen verstecken sich vor den anderen Erwachsenen.

Kinderfänger werden auch Kinderdiebe genannt, weil sie so still und leise sind wie Diebe. Ein anderes Wort für solche Menschen ist Kinderklauer.
Kinderdiebe sind aber keine normalen Diebe, sondern noch schlimmere Menschen, denn normale Menschen wollen Sachen klauen, aber Kinderfänger wollen Kinder klauen. Das ist noch viel schlimmer!

Kinderfänger sind sehr gefährlich, aber zum Glück gibt es nur sehr wenige Kinderfänger. Wenn man immer und überall gut aufpasst und sich an die Regeln hält, dann kann einem „besser nichts“ passieren.

Kinderfänger sind zwar sehr gefährlich, aber Kinder können sich oft vor Kinderfängern schützen. Es gibt ja auch viele andere Sachen und Lebewesen, die gefährlich sind, wenn man nicht aufpasst oder sich nicht an bestimmte Grundregeln hält.
Kinder können sich oft auch vor Kinderfängern schützen, wenn sie gut aufpassen und sich an die besonderen Regeln halten.
Ohne „aufpassen“ und „Regeln“ geht das natürlich nicht!

Kinderfänger wollen Sachen von den Kindern, die das Kind selber nicht will. Kinderfänger wollen Kinder zum Beispiel an Stellen berühren, an denen Kinder nicht berührt werden wollen.
Kinderfänger können Kindern am Ende dabei ganz stark wehtun und verletzen. Kinderfänger sind also böse Menschen, vor denen Kinder sich schützen und verteidigen können soll(t)en.

Kinder brauchen aber keine Angst vor anderen Menschen oder Berührungen zu haben. Spielen und Berührungen sind eine schöne Sache, wenn sich alle an die Regeln halten.
Nicht nur die Kinder, sondern auch die Erwachsenen müssen sich an diese Regeln für Berührungen halten. Dann ist alles in Ordnung.

Wenn sich die Erwachsenen nicht an diese Regeln halten, oder Sachen tut, die das Kind nicht will, dann ist der Erwachsene schuld und nicht das Kind. Das Kind darf und soll sich dann Hilfe bei anderen Erwachsenen holen.


Kinderfänger: Diebe oder Räuber

Kinderfänger sind böse Menschen und wollen Kinder stehlen. Das lassen Kinderfänger sich natürlich nicht ansehen, denn dann würde man sie ja sofort erkennen. Deshalb tun Kinderfänger so, als wären sie ganz freundliche und normale Menschen. Das tun sie manchmal richtig lange, bevor sie versuchen, ein Kind zu fangen.

Kinderfänger verstecken sich hinter einem freundlichen Gesicht und tun ganz normal. Man kann bei einem Kinderfänger von außen nicht erkennen, dass er böse ist. Man kann ja nicht in ihn hineinsehen. Deswegen setzen Kinderfänger meistens ein freundliches Gesicht auf, so wie eine Maske, hinter der sie sich verstecken.

Auch die Polizei sagt:
„Um nicht erkannt zu werden ziehen sich Kinderfänger ganz normal an. Sie tragen keine schwarzen Klamotten und sie fahren ganz normale Autos. Wie andere Verbrecher kann man ihnen nicht ansehen, dass sie sehr böse sind.“

Man kann Kinderfänger also nicht an ihrem Aussehen erkennen, aber man kann Kinderfänger an ihrem Verhalten erkennen. Man kann Kinderfänger daran erkennen, was sie sagen und was sie tun.

Kinderfänger versuchen Kinder mit irgendwelchen Geschenken oder auch mit irgendwelchen Geschichten zu locken. Sie bieten Kindern Geschenke an oder lassen sich eine Geschichte einfallen, um Kinder von ihrem Weg abzubringen.

Kinderdiebe haben viel Fantasie und lassen sich alle möglichen Sachen einfallen. Kinderdiebe versuchen, Kinder von ihrem Weg zu locken und dahin zu bringen, wo er (oder sie) mit dem Kind alleine ist. Es gibt keine festen Regeln, was die Kinderfänger den Kindern sagen oder anbieten und Kinderfänger lassen sich immer wieder etwas Neues einfallen.

Kinderfänger sind nicht immer fremde Menschen. Manchmal kennt das Kind den Kinderfänger schon lange, aber hat sich von der freundlichen Maske täuschen lassen. Dann ist es sehr schwierig zu glauben, dass der Erwachsene in Wirklichkeit böse ist. Das macht es so schwer, Kinderfänger zu erkennen.
Kinderfänger sind sehr lange lieb, bis sie dann irgendwann böse werden. Sie warten darauf, dass das Kind ihnen vertraut, weil sie ja schon so lange freundlich sind. Erst wenn das Kind dann denkt, dass alles in Ordnung ist und seine Regeln vergisst, dann versucht der Kinderfänger das Kind zu fangen.

Das ist wie mit Hunden, die immer sehr lieb waren und plötzlich anfangen zu beißen. Bei anderen Hunden weiß man nicht, ob sie bissig sind oder nicht. Deswegen steckt man Hunden niemals die Hand in den Mund. Man ist immer vorsichtig, egal ob man den Hund kennt oder nicht.
Mit Kinderfängern ist das genauso. Es gibt sehr wenig Kinderfänger, so wie die meisten Hunde brave Hunde sind. Aber bei allen Erwachsenen halten sich kluge Kinder an ihre Regeln, damit ihnen nichts passiert.

Kluge Kinder sagen immer ihren Eltern Bescheid, wohin sie gehen und lassen sich nicht von ihrem Weg abbringen, sondern gehen ihren eigenen Weg. Kluge Kinder bleiben auf ihrem Weg und lassen sich nicht woanders hinlocken.

Wenn ihnen unterwegs etwas passiert, was sie nicht mögen oder wo sie Fragen haben, dann fragen sie am Besten die Eltern oder andere Erwachsene. Erwachsene können Kindern gut helfen.

Natürlich ist nicht jeder Erwachsene, der mit Kindern spricht oder nett zu Kindern ist, ein Kinderfänger. Ganz im Gegenteil: Die meisten Erwachsenen sind wirklich nett und freundlich.
Es gibt zwar nur sehr wenig Kinderfänger, aber sie sind so schwer zu entdecken. Deshalb sollte man sich immer an seine Regeln halten.

Kluge Kinder sind lieber ein Mal zu viel vorsichtig, als ein Mal zu wenig.


Womit locken Kinderfänger

Kinderfänger locken mit zwei Sachen:
Sie locken nicht nur mit Geschenken, sondern auch mit einem freundlichen Gesicht.
Kinderfänger sind keine lauten, unfreundlichen Räuber, sondern stille und heimliche Diebe.

Schwerpunkt dieser Lehreinheit ist das notwendige Verständnis, zwischen einem freundlichen Gesicht und unfreundlichem Verhalten zu unterscheiden. Dies ist für viele Kinder nicht einfach nachvollziehbar, so wie viele Kinder Schwierigkeiten haben, Ironie als solche zu verstehen.

Kinderfänger locken mit den unterschiedlichsten Sachen und Versprechungen und versuchen so, das Kind von seinem Weg wegzulocken. Daher kommt auch der norddeutsche Begriff „Mitschnacker“, denn Kinderfänger versuchen, durch Reden (norddeutsch „schnacken“) das Vertrauen der Kinder zu gewinnen und es selbstmotiviert mitzunehmen.

Kinderfänger tun freundlich und „erschleichen“ sich das Vertrauen der Kinder. Dazu gehen sie nicht direkt auf das Kind zu und stellen nur diese eine Frage: „Kommst du mit, ich habe etwas Tolles für dich?“
Kinderfänger umgarnen das Kind oft mit netten Worten, bis das Kind von den Worten ganz gefangen ist. Kinderfänger locken das Kind nicht nur mit Geschenken, sondern auch mit einem freundlichen Gesicht!
Erst dann fordern sie das Kind auf mitzukommen.

Kinderfänger können mit verschiedenen schönen Sachen locken:

  • Bonbons und Leckereien
  • süße Tiere, Babytiere
  • . . .

Kinderfänger können das Kind auch um Hilfe bitten, weil… :

  • sie etwas verloren haben und suchen.
  • etwas passiert ist und sie Hilfe brauchen.
  • . . .

Der nette Nachbar

Mit dem „netten Nachbarn“ wird aufgrund einer für die Kinder oftmals typischen Situation eine erste Auseinandersetzung mit dem richtigen Umgang im sozialen Nahfeld thematisiert.
Dabei wird nicht über versteckte Absichten gesprochen, oder vor bestimmten Leuten gewarnt, um die Kinder nicht zu verschrecken. Insbesondere wird mit den typischen Warnungen oftmals nur die Angst vor dem Fremdtäter verstärkt, während die eigentliche Gefahrenquelle des Nahtäters verharmlost wird. Es wird bei dieser Geschichte lediglich betont, dass sich die Kinder und die Erwachsenen immer an bestimmte Regeln halten sollen. Dies in konsequenter Art und Weise, unabhängig davon, wie nah oder fern die sozialen Partner dem Kinde stehen.

Die Kinder haben bereits gelernt, dass sich aus einem freundlichen Gesicht nicht zwangsläufig auch freundliches Verhalten ableiten lässt. Nun wird die Regel des „Immer Bescheid Sagens“ erarbeitet und formuliert.

Eine weitere Bearbeitung des Themas, wie z.B. konkrete Situationsbeschreibungen oder das Verhalten von Personen, wird hier noch nicht vorgenommen, sondern gezielt an die Eltern abgegeben.


Die Kinderfalle

(entspricht Privatband „Die Autofalle“)


Ich entscheide über Berührungen

Die Kinder werden in die Problematik der ungewollten Berührungen anhand einer illustrierten Kurzgeschichte und der Projektion auf einen Teddybären eingeführt.
Der Teddybär entwickelt sich schließlich zum Brummbären und befreit sich von ungewollten Berührungen.
Hierbei werden gezielt individuelle und kollektive Arbeitsformen angeboten, um der Ausdrucksfähigkeit der Kinder gerecht zu werden.

Die thematische Erarbeitung bezieht sich im Wechsel zwischen individuellen und kollektiven Arbeitsformen auf das Ich des Kindes, welches in kreativer Form seine persönlichen Berührungsmuster entwickelt und in der Gruppe vorstellt.